Historisches Kalenderblatt 1999

Eines der politischen Ereignisse, das im Jahr 1999 die Schlagzeilen bestimmte, war der Kosovo-Konflikt. Auf Seite der NATO-Truppen dabei war auch die leichte Flugabwehrraketenbatterie 300 aus Fuldatal, im ersten geschlossenen Einsatz einer Einheit der Heeresflugabwehrtruppe. Auszüge aus dem Einsatztagebuch der Batterie geben interessante Einblicke in die damaligen Ereignisse. (Autor/Bilder: D. Jensch)


18. März
Alarmierung der Leichten Flugabwehrrakenbatterie 300 für den Einsatz im Kosovo; Rückruf eines LeFlaRak-Zuges aus Todendorf, zeitgleich Gliederung/Aufstellung der Kosovo-Einsatzbatterie; Nachbereitung Todendorfaufenthalt im Standort Fuldatal; Verkürzung der Alarmierungszeit vom 27. auf 26. März.


19. März
Verpacken der pers. Ausrüstung; Ärztliche Untersuchung, Impfung usw.; Die Instandsetzung leistet erfolgreich Überstunden, Empfang der Zusatzausrüstung; Verkürzung der Alarmierungszeit auf 25. März.


20. März
Übernahme und Aufrüstung der Kfz; Verfassen von Vollmachten und Testamenten; Termin beim Fotografen (Passbilder); Verkürzung der Alarmierungszeit auf 24. März;


21. März
Aufrüsten der Kfz, Suche nach Musterlösung für den Transport der Stinger im Wolf; Ab 12:00 Uhr Besuch der Angehörigen zur Verabschiedung; Abends Betreuungsfahrt nach Kassel; Verkürzung der Alarmierungszeit auf 22. März


22. März
Empfang der Vorschusskasse (800,- DM), Waffen- und Materialempfang; Verabschiedung durch Regimentskommandeur und stv. Bürgermeister von Fuldatal; 15:30 Uhr Abmarsch nach Hannover (Emmich-Cambrai-Kaserne), Ausschleusung. Verlegung nach Wunstorf, Kontrolle Kfz und Verladung; Fernsehbericht von General Harff: ,,...Risiko der Luftbedrohung=0,001%...."


23. März

Luftmarsch mit 5 C 160 Transall gestaffelt nach Skopje: Empfang durch in Skopje wartenden BttrChef; Kfz-Marsch nach Tetovo; Beziehen der Zelte (Empfang von Schutzwesten, Stinger und 30 Schuss 5,56 mm; Lagerrundgang und Belehrung; Erkundung der Fla-Stellungen auf dem Erebino;


24. März

Beziehen der Stellungen (1x Tetovo, 4x Erebino); Begrüßung durch den Nationalen Befehlshaber im Einsatzland, Brigadegeneral Harff; Eintreffen des Zuges aus Wuppertal; Während des Marsches mit Wuppertaler Soldaten Ausfall des Transportfahrzeuges für Stinger durch leergefahrenen Tank; Beginn der NATO-Luftangriffe auf Serbien und das Kosovo;


25. März

03:47 Uhr: Änderung der ständigen Feuerregelung (Feuerverbot auf Strahlflugzeuge und Hubschrauber) auf Feuererlaubnis auf Strahlflugzeuge und Hubschrauber; Ausbau der Stellungen, Ablösung durch Wuppertaler um 15:00 Uhr, Beginn Schichtsystem; Telefongespräche mit Angehörigen;


26. März

Dienst in den Stellungen; Beziehen einer Stellung außerhalb des Lagers; Trotz Schutz der Fliegerfaustgruppe durch eine Sicherungsgruppe musste die Stellung aufgrund demonstrierender Zivilisten aufgegeben werden;


27. März

Dienst in den Stellungen; Überraschung durch eigene Marschflugkörper, Alarmierung des Standortes Tetovo;


28. März

Dienst in den Stellungen; Befehl für die Verlegung von 3. Grp und ZgTrp nach Ohrid zum Schutz des dortigen Flugplatzes am kommenden Tag;


29. März

Munitionsempfang; Verlegung der befohlenen Teile des 1. Zuges (Zugtrupp, 2., 4. und 5. Gruppe} nach Ohrid, 11:00 Uhr Meldung „Klar zum Gefecht!" Beziehen des Zeltes in Ohrid. Es fehlen Sanitäreinrichtungen, Betten, Strom, persönliche Ausrüstung und Öfen;


 

 

TETOVO (30. März bis 8. Juni 1999)
Dienst in den Stellungen (3 bei Erebino, 1 bei Tetovo,1 Bereitschaftsgruppe in Erebino -
5 Grp LeFlaRakBttr 100 und 2 Grp LeFlaRakBttr 300); 

OHRID (30. März bis 8. Juni 1999)
Beziehen der Stellungen (Nord- und Südstellung am Tag, Nord auch nachts und eine Alarmstellung unbesetzt - Schichtfreie Grp in Alarmbereitschaft); Ausbau der Stellung

31.  März   Erste Dusche in der Operationszentrale der Heeresflieger (Hotel);
3. April   Empfang von Feldbetten und Dieselöfen; Anfrage nach dienstlich gelieferten Sonnenbrillen mit Korrektur (der Sehschärfe); Empfang von persönlicher Ausrüstung und erste Feldpost;
10. April   Erster Stellungswechsel (Nord) vom Weinhang zum Kanal;
21. April   Nachts das erste unangemeldete Flugzeug ohne Positionslichter;
23. April   Aufstellung von Sanitärcontainern; Unterstellungswechsel vom FmBtl zu den Heeresfliegern; Erkenntnisse über örtliche Schlangen und Insekten werden in Erfahrung gebracht;
25. April   Soldat wird von giftiger Schlange angegriffen (kein Biss);
1. Mai    Kampf gegen Ungeziefer in den Stellungen/Ausbau der Stellungen/Container/Schlafplatz/Sonnenschutz;
Dienstaufsicht (Generale, Verteidigungsminister und Wehrbeauftragte); Unfall bei Sicherheitüberprüfung,
zwei verletzte Sanitäter; Flugzieldarstellung mit französischem Hubschrauber Puma;
Lageabhängiger Wechsel des Luftstatus rot/gelb; Zwei Tage Aufbauhilfe im Flüchtlingslager Cegrane;
Steinwürfe; Unfall eines TPz, dabei Todesfall eines Stabsarztes und zwei verletzte Sanitäter;
Abholung der restlichen Kraftfahrzeuge aus Albanien; Wahl der Vertrauenspersonen; Handwaffenschießen in Erebino; Ständige Versorgungsprobleme - ,,Ist im Zulauf";
 
16. Mai   Beinahe Abschuss von zwei niederländischen Hubschraubern (bei Nacht, unangemeldet, ohne Positionslichter); Fristenarbeiten (Materialerhaltungsstufe 2) selbständig durchgeführt;
1. Juni   Abholung von Fahrzeugen aus Albanien, Probleme mit Funkbatterien der Lkw 2 to (Funk); Gerüchte einer Verlegung, Verpacken der persönIichen Ausrüstung;
7. Juni   Alarmierung zur 2-Stunden-Bereitschaft; Nur noch eine Stellung besetzt (2 Mann und häufiger Wechsel zur Reduzierung der Belastung)
8. Juni     Technischer Dienst an Fahrzeugen und Ruhe für die Kraftfahrer;

 


KFOR-EInsatz

9. Juni

Verabschiedung in Ohrid durch den Kommandeur der Heeresflieger, Abmarsch der Teile Ohrid nach Tetovo; 1. Zug wieder komplett (5 Gruppen + Zugtrupp);


10. Juni

Herstellen Marschbereitschaft, Verlegen 1. Zug und Teile BttrFüGrp in den Verfügungsraum Petrovac 19:30 Uhr; Während Marsch - Steinewerfer auf Autobahn - Beschädigung von zwei Windschutzscheiben;


11. Juni

Ruhepause für alle Teile (Kartenspiele, Sport, Sonnen und Zeit zum Gedankenaustausch, letzte Vorbereitungen für den Marsch in das Kosovo am nächsten Tag);


 12. Juni Eimarsch m

 Auffahren des Vorkommandos (120 Mann),11:00 Uhr Abfahrt in das Kosovo durch das KaDanik Tal,freudige Begrüßung der Kolonne in allen Städten (Prizren 00:30 Uhr); 

12. - 14. Juni

Staffelweise Verlegung weiterer Marschkolonnen;

 

 

 

 

 

Kosovo vom 13. - 25. Juni

13. Juni

ZgTrp und Grp Hörhold - Busse an einem zentralen Punkt mit Serben zusammengeführt und Absprachen zwischen Serbenführern in Prizren ermöglicht; Teile Wuppertal und BttrFüGrp erreichen über Albanien Prizren, Hauptteile haben in Petrovac um 15:30 Uhr Brigadeantreten - schnellstmögliche Verlegung ab 16:00 Uhr nach Prizren, da dort noch viele Serben und serbisches Militär. Aus einem Protest der Kosovo-Albaner gegen abfahrende Serben entsteht fast eine Schießerei zwischen KFOR und serbischen Milizen;


14. Juni

Auf Marsch toten Reporter gefunden und auf BAT mitgeführt; 08:00 Uhr: Restteile 1. Zug treffen in Prizren ein; Verbindungsaufnahme ZgTrp und BttrFüGrp; Beziehen des Fabrikgeländes und Aufbau des Lagers 1. Zug; Bergen eines Toten aus Fahrzeug auf dem Marktplatz in Begleitung der internationalen Presse; 4 Grp bilden eine Eskorte für 2 Busse mit serbischen Zivilisten, Feldwebel der Batterie wird mit Laserpointer anvisiert (wahrscheinlich Scharfschütze), es fallen Warnschüsse; Erste Verbindungsaufnahme über HF-Funk nach Tetovo; (leFla war der einzige Truppenteil, dem dieses gelang);


15. Juni

Am Vormittag erste Entwaffnung der UCK durch 2. Grp; 2 verwundete Serben aus Krankenhaus geholt, dabei Entwaffnung von 4 UCK-Mitgliedern und Entwaffnung eines UCK-Checkpoints (Zugstärke) durch leFla, dabei wurde auch eine Panzermine gefunden; Entwaffnung einzelner UCK-Mitglieder durch 1. Grp und ZgTrp, da nur noch UCK-Mitglieder mit gelber Armbinde berechtigt sind, Waffen zu tragen;
Abgabe der Waffen, Munition und Sprengmittel bei OPZ im OSZE Gebäude; Abends Gerüchte aus der Bevölkerung über geplanten Vandalismus an der serbischen Kirche; 1. Grp sichert die Kirche, Plünderungen serbischer Geschäfte durch Albaner häufen sich, Info über Brandstiftung an einem serbischen Kloster - Brandanschlag konnte abgewehrt werden durch 2. Grp u. ZgTrp; Unterstützung einer Geiselbefreiung durch die FschPzAbwKp; 1. Grp Begleitschutz für Oplnfo; Übergabegespräch BttrChef mit Bischof zur Übernahme von 3 kirchlichen Einrichtungen (Bischofssitz/Kirche, Kloster und Seminarschule) an LeFla 300; 200 Serben befinden sich in der Seminarschule, 2 Familien noch zusätzlich dort untergebracht;


 16. Juni

Schutz bei Abzug von 200 Serben aus der Seminarschule (da sonst kein Einzug in die Schule möglich); Wechsel der Unterkunft von Fabrik in die 3 kirchlichen Einrichtungen: 1. und 5. Gruppe beziehen Seminarschule, 3. Gruppe, 4. Gruppe und Batteriegefechtsstand beziehen Kirche, 2. Gruppe u. Zugtrupp beziehen Kloster; "Fototermin" in ehemaliger serbischer Kaserne Prizren (90 % zerstört) nach Einzug in die Einrichtungen; 1. Streife zu Fuß durch das serbische Viertel; Patrouillen, Schutz von Einrichtungen, Verhinderung von Plünderungen; Offizielle Rückgabe von Waffen an UCK (einige wenige);


 17. Juni

Erstürmung des Gebäudes des serbischen Innenministeriums (MuP) - Befreiung von 14 Geiseln und das Auffinden eines Toten - Entwaffnung von ca. 40 UCK-Kämpfern; Fahrt nach Urosevac - Verfolgung eines Verdachts von Menschenrechtsverletzungen an serbischen Zivilisten; Aufnahme von befreiten Geiseln und anderen serbischen Zivilisten (mit Problemen) in der Seminarschule;


18. Juni

Entwaffnung der UCK in Urosevac; Tagesordnung: Kfz- und Personenkontrollen, Stellen von Plünderern; Geiselbefreiung bei der 128. Brigade der UCK (2 Geiseln). Beschuss durch Heckenschützen; Schutz von serbischen Familien durch Patrouillen; Eintreffen von Hilfsorganisationen in der Seminarschule;


19. Juni

Aufnahme von missbrauchter/vergewaltigter Frau und ihrer Schwester in Seminarschule; Streife zu Fuß - dabei erschlagenen alten Mann gefunden - Krankentransport; Erschlagene alte serbische Frau gefunden und die Täter verfolgt, aber ohne Erfolg; Patrouillen mit Kfz und zu Fuß;


20. Juni

Patrouillen und Streifen - nach Hinweisen aus der Bevölkerung eine Leiche aufgefunden; UCK weist unterkunftslosen albanischen Familien serbische Häuser und Wohnungen zu, diese wurden von LeFla 300 wieder an Serben zurückgegeben; Kontrolle unzähliger Wohnungen von albanischen Heimkehrern auf Minen;


21. Juni

Erste Hilfe und Rettungstransport eines Herzinfarktpatienten ins Krankenhaus; Entwaffnung und Auskleidung (Uniformen) von 150 aus Albanien kommenden UCK-Mitgliedern, danach ihre Sicherung und Abtransport aus der Stadt; Beschlagnahme eines Lkw mit Diebesgut und Festnahme von 5 Plünderern; Stellen von weiteren Plünderern in der Altstadt - Fußmarsch mit diesen durch die Stadt zum MuP-Gebäude (Gefängnis); Weitere Festnahmen bei Streife - Gefängnis zählte abends mehr als 100 Häftlinge, davon mehr als 55 Festnahmen durch LeFlaRakBttr 300;


22. Juni

Selbstmörder auf Marktplatz, wollte sich mit Handgranate in die Luft sprengen, dies konnte abgewendet und somit größerer Schaden verhindert werden; Sonst üblicher Tagesablauf: Streife, Patrouille hierbei weitere Festnahmen;


23. Juni

Besuch des Bischofs im Kloster, dieser zeigte uns dort Lagerplatz von Waffen, Munition und Sprengmitteln eines serbischen Soldaten; Auffinden einer Leiche durch Hinweise einer serbischen Frau; Festnahme von Mördern/Vergewaltigern; Streife und Patrouille;


24. Juni

Ankunft des Vorkommandos der Ablösung aus Lütjenburg (LeFlaRak LehrBttr 610); Entführung eines albanischen Schuldirektors - am selben Tag von 128. Brig. der UCK wieder freigelassen worden; Auf Streife mehrere Plünderer gestellt und dabei einen Hund erschossen; In der Seminarschule befanden sich zu der Zeit 80 schutzsuchende Zivilisten;


25. Juni

Herstellen von Ordnung und Sauberkeit in den drei kirchlichen Einrichtungen; Übergabe der Dienstgeschäfte an den FschPzAbwZg; Abmarsch zum Sammelpunkt am Kloster - Abmarsch nach Tetovo um 14:00 Uhr; In Tetovo Abgabe von Zusatzausrüstung und Munition